Tore Steen (*1926, † 2021), ehemaliger Direktor von Bertel O. Steen, war bei der Gründung der Deutsch-Norwegischen Handelsvereinigung 1983 als Mann der ersten Stunde mit dabei. Als ihr Vorsitzender führte er die Handelskammer bis 1988 durch das spannende Fahrwasser der Anfangsjahre. Dieses Interview wurde zum 25-Jahre-Jubiläum der AHK Norwegen im Jahr 2011 geführt, aber Steens Rückblicke zu den Anfängen sind auch heute noch spannend und wertvoll. Daher veröffentlichen wir es an dieser Stelle erneut.
Andere Auslandshandelskammern sind bedeutend älter, weshalb hat die Gründung in Norwegen so lange gedauert?
In Norwegen herrschte nach wie vor eine schwierige Stimmung gegenüber Deutschland. Nicht im politischen oder handelspolitischen Sinn, doch es lag ein gewisses Empfinden bei der norwegischen Bevölkerung verborgen, eher eine persönliche Antipathie gegenüber Deutschland und der Besatzungszeit.
Was waren zu Beginn der Zusammenarbeit die wichtigsten Aufgaben?
Die wichtigste Arbeit war Überzeugungsarbeit für die Akzeptanz einer solchen Organisation, die mit dem Ziel gegründet wurde, eine Handelskammer zu werden.
Wir haben uns dafür eingesetzt, Menschen aus Norwegens Industrie und Handel mit an Bord zu bekommen, die nicht an einen deutschen Mutterkonzern gebunden waren.
Das Gleichgewicht zwischen deutschen und norwegischen Interessen war gut und wir konnten die notwendige Gründung einer Deutsch-Norwegischen Handelskammer vorantreiben.
Sie haben die Stiftung der Deutsch-Norwegischen Handelskammer im Juni 1986 verkündet: Können Sie sich an den Tag vor 25 Jahren erinnern?
Das war eine ausgelassene, gute und ganz undeutsche Stimmung! Die Stiftung einer Handelskammer hatte viel Arbeit und Zeit in Anspruch genommen. Wir wuchsen schnell und haben auf diese Weise auch große Unternehmen wie Daimler-Benz, ThyssenKrupp und Siemens gewinnen können.
Ein Teil der Überzeugungsarbeit war, interessante Vortragsredner aus der deutschen Industrie zu finden.
Zu solchen Veranstaltungen versuchten wir auch das politische Milieu in Norwegen auf uns aufmerksam zu machen. Leider glückte uns das nicht, denn es war schwer die Presse für sich zu interessieren und ausreichend PR für sich zu machen.
Wenn Sie auf die deutsch-norwegische Zusammenarbeit von heute (2011) blicken, was hat sich - im Vergleich zu 1986 - geändert?
Die Zusammenarbeit heute läuft „schmerzfrei“ ab. Die alten Antipathien sind mit den neuen Generationen verschwunden. Heute ist eine ganz andere Zeit als damals. Ich finde es bedauerlich, dass norwegische Schüler kein Deutsch mehr lernen wollen.
Wir ziehen große Vorteile aus der Zusammenarbeit mit Deutschland und eine Sache, die wir immer wieder unterschätzen ist, dass uns in Deutschland Goodwill und Offenheit entgegengebracht wird, die wir in anderen Ländern nicht bekommen.
Die deutsche Sprache ist wichtig. Es mangelt an Verständnis, dass Deutschkenntnisse notwendig sind, wenn man Geschäfte und Verträge in Deutschland machen möchte.