Deutsch-Norwegische Arbeitsgruppe für Carbon Management
Deutschland und Norwegen wollen im Bereich Carbon Management enger zusammenarbeiten. Unsere Arbeitsgruppe trägt dem Rechnung.
Mehr ansehen
Die Öl- und Gasindustrie ist weiterhin Norwegens wichtigster Wirtschaftszweig für Wertschöpfung, Staatseinnahmen und Exporte. Sie umfasst Produktion, Infrastruktur und Zulieferer; besonders Rogaland mit Stavanger bleibt das Zentrum der Branche.
Für 2026 werden die staatlichen Nettoerlöse aus dem Petroleumsektor auf rund 686 Mrd. NOK geschätzt. 2025 erreichte der Exportwert von Öl, Gas und Kondensat rund 1.000 Mrd. NOK, etwa 57 Prozent der norwegischen Warenexporte. Seit Produktionsbeginn 1971 wurde mehr als die Hälfte der geschätzten Ressourcen auf dem norwegischen Kontinentalschelf gefördert; rund 43 Prozent verbleiben. 2025 lag die Produktion bei etwa 239 Mio. Sm³ Öläquivalent.
Equinor bleibt der wichtigste Akteur, mit dem norwegischen Staat als größtem Eigentümer mit 67 Prozent. Nahezu die gesamte Öl- und Gasproduktion wird exportiert. Öl wird teils per Tanker verschifft, Gas überwiegend über ein rund 8.800 Kilometer langes Pipelinesystem nach Europa transportiert. Nach Deutschland führen unter anderem Norpipe, Europipe und Europipe II.
Norwegens Stromversorgung basiert bereits heute fast vollständig auf erneuerbaren Energien, insbesondere auf Wasserkraft. Diese bildet das Rückgrat des norwegischen Energiesystems und verschafft dem Land einen hohen Anteil erneuerbarer Stromproduktion sowie niedrige CO₂-Emissionen im Stromsektor. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch die Elektrifizierung von Industrie, Verkehr, Offshore-Aktivitäten und Wärmeerzeugung deutlich an.
Norwegen ist Teil des nordischen Strommarkts und verfügt (anders als Deutschland) über mehrere Strompreiszonen, wodurch regionale Unterschiede bei Erzeugung, Netzkapazitäten und Nachfrage stärker sichtbar werden. Politisch verfolgt Norwegen das Ziel, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 deutlich zu senken und bis 2050 eine Niedrigemissionsgesellschaft zu werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien, der Netzkapazität sowie die effiziente Nutzung bestehender Wasserkraftressourcen sind dafür zentrale Voraussetzungen.
Offshore-Windenergie verfügt in Norwegen über ein erhebliches Potenzial, insbesondere im Bereich der schwimmenden Offshore-Windkraft, die aufgrund der großen Wassertiefen entlang der norwegischen Küste eine zentrale Rolle einnimmt. Die norwegische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 Gebiete für Offshore-Windenergie mit einer Gesamtleistung von rund 30.000 MW zu entwickeln und zu vergeben. Bereits im Jahr 2020 wurden mit Utsira Nord und Sørlige Nordsjø II die ersten Flächen auf dem norwegischen Kontinentalschelf für die Offshore-Windenergie geöffnet. Im März 2023 folgte die erste Ausschreibung von Projektgebieten in diesen Arealen.
Seitdem hat sich die Entwicklung konkretisiert: Im Gebiet Sørlige Nordsjø II wurde im März 2024 erstmals ein großskaliges Offshore-Windprojekt durch eine Auktion vergeben, das von dem Konsortium Ventyr SN II AS entwickelt wird. Parallel dazu wurden im Dezember 2025 im Gebiet Utsira Nord zwei Projektflächen an Konsortien vergeben, die sich auf die Entwicklung schwimmender Offshore-Windparks konzentrieren. Die Auktion wird voraussichtlich 2028/2029 durchgeführt.
Insgesamt befindet sich der Offshore-Windsektor in Norwegen trotz klarer politischer Zielsetzung weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase. Während erste Projekte angestoßen wurden, ist der Ausbau bislang stark von staatlicher Steuerung, Fördermechanismen und technologischer Weiterentwicklung, insbesondere im Bereich der schwimmenden Windkraft, geprägt.
Die Voraussetzungen für die Wasserstoffproduktion in Norwegen sind sehr gut: viel erneuerbare Energie, industrielle Erfahrung sowie eine wachsende Nachfrage aus der maritimen Wirtschaft und der Industrie. Zusätzlich bestehen Potenziale für Offshore-Wasserstoff sowie für blauen Wasserstoff auf Basis von Erdgas mit CCS.
Der Markthochlauf wird durch mehrere Projekte vorangetrieben, unterstützt durch staatliche Förderung (u. a. Enova), europäische Programme und IPCEI-Projekte sowie den Aufbau von Wasserstoff-Hubs entlang der Küste.
Gleichzeitig bestehen im Markthochlauf weiterhin Herausforderungen, insbesondere mit Blick auf die Kosten. Der Fokus verlagert sich zunehmend auf Wasserstoffderivate und flexiblere Transportlösungen. Parallel gewinnt der Einsatz im maritimen Bereich an Bedeutung. Steigende Klimaanforderungen, unter anderem für Offshore-Schiffe, könnten die Nachfrage nach Wasserstoff künftig zusätzlich erhöhen.
Norwegen weist aufgrund seiner Erfahrung im Öl- und Gassektor relevantes Fachwissen im Bereich CCS auf und ist daher technologieführend. Darüber hinaus liegen große CO2-Speicherkapazitäten u.a. in der Norwegischen See und in der Nordsee. Norwegen nutzt dieses Potential und setzt seit 1996 bereits CCS-Technologien im industriellen Maßstab vor seiner Küste ein.
Die zwei wichtigsten Projekte im Bereich CCS sind die Longship-Initiative und das dazugehörige Joint Venture Northern Lights, die beide von der Regierung unterstützt werden. Longship wird als Norwegens größtes klimapolitisches Industrieprojekt bezeichnet und bildet als erstes Projekt im industriellen Maßstab die gesamte CCS-Prozesskette ab. Das Projekt wurde 2025 in Betrieb genommen und umfasst die CO₂-Abscheidung in der Zementfabrik von Heidelberg Materials in Brevik sowie die geplante Anlage an der Müllverbrennungsanlage von Hafslund Celsio in Oslo. Das CO₂ wird per Schiff transportiert und im Rahmen von Northern Lights – einem Gemeinschaftsprojekt von Equinor, Shell und TotalEnergies – rund 2.600 Meter unter dem Meeresboden vor Øygarden bei Bergen dauerhaft gespeichert. Die Transport- und Speicherkapazität soll bis 2028 von derzeit 1,5 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr auf mehr als 5 Millionen Tonnen jährlich steigen.
Deutschland und Norwegen wollen im Bereich Carbon Management enger zusammenarbeiten. Unsere Arbeitsgruppe trägt dem Rechnung.
Mehr ansehenUnsere Arbeitsgruppe im Bereich Offshore Wind dient dem bilateralen Austausch und fördert den Branchendialog.
Mehr ansehenMit unserer Arbeitsgruppe Wasserstoff bieten wir eine Plattform für die bilaterale Zusammenarbeit Deutschlands und Norwegens...
Mehr ansehenIn Elternzeit Stakeholder Relations & Energy
+47 21 04 04 45 ks@handelskammer.no