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Die Kammervilla – ein Haus mit Geschichte

Wussten Sie, dass hier einmal die DDR-Botschaft ihren Sitz hatte?

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Über 100 Jahre ist die Villa am Drammensveien 111b alt. In ihrer Geschichte beherbergte das Jugendstilgebäude weit mehr als nur die AHK Norwegen. Vielmehr zeichnet das Haus ein vielschichtiges Bild der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Geschichte Norwegens und Deutschlands.

 

Die Backsteinvilla wurde 1912 für den Reeder Thomas Fearnley jr. errichtet. Der Architekt Thorvald Astrup entwarf sie als neoklassizistische Villa mit Elementen des Jugendstils. Der handgezeichnete Grundriss auf gelbem Papier liegt im Osloer Stadtarchiv und zeigt, dass das reich verzierte Gebäude Repräsentationszwecken dienen sollte. 

 

Handelskammer_Aussenansicht_Scharz-Weiss-Schnee_1929
Außenansicht der Kammervilla aus dem Jahr 1929.
Wilse, Andreas Beer / Oslo Museum

Thomas Fearnley jr. war eine wichtige Persönlichkeit in der Entwicklung der norwegischen Schifffahrtsindustrie. Er trug unter anderem zum Zustandekommen der Tonnageabkommen zwischen Norwegen und Großbritannien während des Ersten Weltkriegs bei. Darüber hinaus bekleidete Fearnley unzählige Ämter in verschiedenen Organisationen und Unternehmen.

Von deutschen Besatzern beschlagnahmt

Von 1933 bis 1941 bewohnte die Familie des späteren Generalkonsuls und Geschäftsmanns Alf Richard Bjercke die Villa – er verbrachte hier seine Kindheit. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude von den deutschen Besatzern beschlagnahmt und diente fortan als Marine-Hauptquartier. Bjerckes Familie musste ausziehen. Nichtsdestotrotz hielten in direkter Nachbarschaft, im Drammensveien 115, Funktionäre der norwegischen Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzung ein Versteck

 

Bjercke diente in der britischen Luftwaffe und als er 1946 nach dem Krieg wieder zurückkehrte, durfte er, mit Erlaubnis der Amerikaner, wieder in den Drammensveien 111b einziehen.

Verkauf an die DDR

1967 verkaufte er die Villa an die ostdeutsche Handelsdelegation. Sechs Jahre später, am 18. Januar 1973, wurde das Gebäude mit dem danebenstehenden Pförtnerhaus als Botschaft der Deutschen Demokratischen Republik in Norwegen offiziell eingeweiht. Gleichzeitig eröffnete Norwegen eine Botschaft in der DDR.

 

Verziertes Treppengeländer der Kammervilla
Im Inneren ist die Villa mit Schnitzereien und Ornamenten versehen. Bei der Renovierung 2015 erhielt das hölzerne Interieur der Kammer einen weißen Anstrich.

Die Handelskammer zieht ein

Mit dem Fall der Mauer und der Auflösung der DDR wurde die Botschaft 1989 geschlossen. Das Anwesen ging mit der Wiedervereinigung in das Eigentum der Bundesrepublik Deutschland über und stand über mehrere Jahre leer. Dank einer Kooperation der Deutschen Botschaft in Oslo und des Auswärtigen Amtes konnte die Deutsch-Norwegische Handelskammer die Immobilie im Jahr 1995 erwerben. 

 

Großzügige Spenden von Mitgliedern ermöglichten die Renovierung und am 31. Januar 1997 wurde die Villa am Drammensveien 111B in Oslo als Deutsch-Norwegische Handelskammer eingeweiht. 2015 wurde das Ensemble aus Haupt- und Nebengebäude von Grund auf renoviert und um einen von C.F. Møller Architects gezeichneten Anbau erweitert.

Kleines gebäude mit Garage im Schnee
Das Nebengebäude vor seinem Umbau 2015