Straßen- und Schienenbau

Die verkehrspolitischen Ziele der norwegischen Behörden sehen die Verbesserung der Zugänglichkeit, der Verkehrssicherheit und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen vor. Die langfristige Budgetierung für die Entwicklung von Straßen und Schienen ist in einem 12-Jahres-Plan festgelegt, dem Nationalen Transportplan (NTP), der alle vier Jahre überarbeitet wird. Der Transportplan wurde zuletzt im Jahr 2017 aktualisiert und definiert den Rahmen für Investitionen in das Straßen- und Schienennetz von 2018 bis 2029. In diesem Zeitraum sind Investitionen in Höhe von insgesamt 1 064 Milliarden NOK geplant. Davon werden 536 Milliarden NOK (57 Prozent) für den Straßenverkehr und 319 Milliarden NOK – etwa 35 Prozent des gesamten Finanzierungsrahmens – für den Schienenverkehr verwendet.

© F. Reimann, AHK Norwegen

Die norwegische Regierung setzt bei der Erreichung ihrer verkehrspolitischen Ziele auf den Einsatz neuer Technologien. Sie möchte die damit einhergehenden Chancen nutzen, indem sie eine entsprechende Infrastruktur schafft und sich aktiv an der internationalen Zusammenarbeit beteiligt, um sicherzustellen, dass norwegische Vorschriften auch an internationale Standards angepasst sind. Des Weiteren soll die technologische Entwicklung durch Steuergelder und öffentliche Beschaffungen gefördert, das Potential für innovative technologische Lösungen durch Experimente und Pilotprojekte erschlossen sowie eine eigene Innovationsstrategie für den 12-Jahres-Zeitraum erarbeitet werden. Das neue Innovationsprogramm Pilot-T im Wert von einer Milliarde NOK soll die Rahmenbedingungen für die Erprobung neuer Technologien schaffen. Informationstechnologien und Digitalisierung sind wichtige Instrumente für den intelligenten und optimierten Betrieb und die Wartung von Infrastrukturen in allen Transportsektoren.

Wichtige Akteure

Bane NOR (ehemals Jernbaneverket) ist ein staatliches Unternehmen, das für die nationale Eisenbahninfrastruktur verantwortlich ist. Das Unternehmen verantwortet Planung, Entwicklung, Verwaltung, Betrieb und Wartung des nationalen Schienennetzes, das Verkehrsmanagement sowie die Verwaltung und den Ausbau von für den Bahnbetrieb notwendigen Immobilien.

Die norwegische Straßenverkehrsbehörde Statens vegvesen ist ein Verwaltungsorgan im Verkehrsministerium mit der Aufgabe, die Bundes- und Landstraßen in Norwegen zu planen, bauen und warten. Außerdem ist die Behörde für die Aufsicht von Fahrzeugen und Verkehrsteilnehmern zuständig.

Nye Veier ist eine Aktiengesellschaft im staatlichen Besitz, die am 01.01.2016 Teile des Straßenbestands von der norwegischen Straßenbehörde übernommen hat. Zu den Aufgaben des Unternehmens gehören Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung von Hauptverkehrsstraßen. Nye Veier AS ist für mehr als 500 Kilometer noch unfertige Abschnitte der viel befahrenden E6, E18 und E39 verantwortlich und wird 18 Straßenabschnitte in vier Ausbaugebieten bauen. Die Hauptpriorität liegt dabei auf der E6 Ranheim – Åsen, der E39 Kristiansand-West – Lyngdal-West und der E18 Langen – Dørdal.

Schienenverkehr

In Norwegen wird in den kommenden Jahren ein hohes Bevölkerungswachstum erwartet, insbesondere in den Ballungsgebieten. Da die meisten Bahnreisen in Norwegen von und zu den Metropolen erfolgen, ist dies für den Ausbau des Schienennetzes ein wichtiger Einflussfaktor. Es ist davon auszugehen, dass die Einwohnerzahl von 5,1 Millionen (2015) auf 6,3 Millionen (2040) wachsen wird. Die städtebauliche Entwicklung, bei der die städtische Struktur verdichtet wird und Wohngebiete an Knotenpunkten und Hauptstraßen entstehen, stärkt den Markt für den Schienenverkehr. Das Angebot für Bahnreisende wird in und zwischen den größten Städten in Zukunft stark ausgebaut, vor allem in den sogenannten Inter-City-Gebieten in Ostnorwegen, aber auch in Bergen, Trondheim und Stavanger. InterCity umfasst die Strecken zwischen Oslo und Skien, Halden sowie Lillehammer. Auch die Ringeriksbanen verkehrt im Inter-City-Gebiet.

Vor allem die Regionen im Umkreis von Oslo stehen aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums und der Stadtverdichtung unter großem Druck. Die Lösung für diese Herausforderungen ist eines der Hauptthemen im Nationalen Transportplan. In den nächsten zwölf Jahren soll eine durchgehende moderne zweigleisige Bahnverbindung von Oslo nach Tønsberg, Hamar sowie Fredrikstad (bis 2024) und weiter nach Sarpsborg (bis 2026) gebaut werden. Darüber hinaus wird der Eisenbahntunnel unter Oslo seine Kapazitäten in der Oslo-Region weiter ausbauen. Die Ringeriksbanen wird zudem ein komplett neues Zugangebot zwischen Oslo und Hønefoss einrichten.

Der Schienengüterverkehr verzeichnet heute einen Umsatz von 1,5 bis 2 Milliarden NOK pro Jahr. Die Entwicklung des inländischen Güterverkehrs im Zeitraum 2005-2015 zeigt für den Schienenverkehr ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4,2 Prozent. Das hohe Wachstum des Schienenverkehrs ist auf einen starken Anstieg der Erztransporte über kurze Entfernungen im Inland zurückzuführen. Die Einschränkung des Güterverkehrs aufgrund der rückständigen Infrastruktur ist jedoch über einen langen Zeitraum beträchtlich gewesen. Daher bedarf es erhebliche finanzielle Mittel für die Steigerung der Effizienz sowie den Wandel hin zu einem nachhaltigen Güterverkehr.

Für den Schienenverkehr sind im Planungszeitraum Investitionen in Höhe von bis zu 18 Milliarden NOK vorgesehen. Die Schienengüterverkehrspakete enthalten Maßnahmen für Terminals, Maßnahmen zur Kapazitätssteigerung sowie Maßnahmen für den Bau und Ausbau von Bahnübergängen und Gleisverbindungen. Darüber hinaus soll das Alnabruterminal in Oslo modernisiert werden.

Große Projektinvestitionen im Zeitraum 2018-2023:

  • InterCity: Doppelspur-Ausbauprojekte ach Hamar, Fredrikstad und Tønsberg bis 2024; weiter nach Sarpsborg bis 2026 (51 Milliarden NOK)
  • Bau eines neuen Eisenbahntunnels durch Oslo (0,6 Milliarden NOK)
  • Bau der Grenlandsbanen (11,5 Milliarden NOK) - Elektrifizierung der Trønder- und Meråkerbanen (3,6 Milliarden NOK)
  • Bau der Ringeriksbanen (6,8 Milliarden NOK)

Straßenbau

Auf norwegischen Straßen gab es schon lange große Wartungsrückstände und Investitionsdefizite. Gleichzeitig ist die von norwegischen Fahren pro Jahr zurückgelegte Streckenlänge von 2011 bis 2016 um 5,4 Prozent gestiegen – Tendenz steigend. Darüber hinaus weist der Inlandsgüterverkehr über Straßen im Zeitraum 2005 bis 2015 eine jährliche Wachstumsrate von 1,6 Prozent auf. Der Bedarf an neuen Investitionen und verstärkter Wartung ist daher ein Kernaspekt für die Regierung, die große Investitionen in das Straßennetz initiiert und bereits geplant hat. Die Regierung priorisiert Verbesserungen in wichtigen Korridoren zwischen den einzelnen norwegischen Regionen: Hierunter fallen umfassende Modernisierungen an der Küstenlinie E39, die die städtischen Gebiete an der Westküste von Kristiansand nach Trondheim verbindet. Weiter soll über die Modernisierung der Bergübergänge zwischen Oslo und Westnorwegen ein reibungsloser Verkehr im Winter gesichert werden. Für Maßnahmen in städtischen Gebieten mit starkem Bevölkerungswachstum und hohen Umweltbelastungen werden rund 24 Milliarden NOK verwendet: Hier sollen neue und verbesserte Straßenabschnitte für öffentliche Verkehrsmittel, Knotenpunkte, Haltestellen sowie Fahrrad- und Fußwege entstehen.

Der Nationale Transportplan enthält auch große Tunnel- und Brückenprojekte. Langfristig verfolgt die Regierung das Ziel, die E39 von Stavanger nach Trondheim zu einer Strecke ohne Fährverbindungen umzubauen. Dies setzt den Ausbau besonders langer, tiefer und anspruchsvoller Unterwassertunnel voraus. Der Startschuss für den Bau des Boknafjord-Tunnels in der Region Rogaland ist am 4. Januar 2018 gefallen; nach der Fertigstellung in den Jahren 2025 bis 2026 wird er der längste und tiefste Unterwassertunnel der Welt sein. Der Investitionsplan des Tunnels ist in drei Verträgen im Wert von jeweils 2,5 bis 3 Milliarden NOK festgeschrieben. 2022 soll der Bau eines weiteren Unterwassertunnels beginnen: Der Tautratunnel wird unter der Insel Tautra im Romsdalsfjord verlaufen und 16 kilometer lang und 360 Meter tief sein. Gleich nebenan, zwischen der Insel Midsund und Aukra, wird die Julsundbrua gebaut, eine Hängebrücke mit einer freien Spannweite von 1 625 Meter und einer Segelhöhe von 65 Meter.

Große Projektinvestitionen im Zeitraum 2018-2023:

  • RV 555 Sotrasambandet (Statens vegvesen, 5,3 Milliarden NOK)
  • E10/RV 85 Tjeldsund – Gullesfjordbotn – Langvassbukt (Statens vegvesen, 4,7 Milliarden NOK)
  • E39 Rogfast (Statens vegvesen, 3,1 Milliarden NOK)
  • E18 Vestkorridoren – Strecke Lysaker – Slependen (Statens vegvesen, 3,2 Milliarden NOK)
  • E6 Ulsberg – Melhus (Nye Veier AS, 12,7 Milliarden NOK)
  • E6 Ranheim – Åsen (Nye Veier AS, 9,8 Milliarden NOK)
  • E6 Kolomoen – Lillehammer – Øyer Sør (Nye Veier AS, 20 Milliarden NOK)

Finanzierung und Organisation

Die meisten großen Straßenprojekte, die heute realisiert werden, werden teilweise durch Maut und teilweise durch Steuern finanziert. In Norwegen gibt es rund 75 verschiedene Mautprojekte, die entweder in Betrieb sind oder von der Regierung genehmigt wurden. Davon treiben ungefähr 60 Projekte in etwa 230 Mautstationen Gebühren zur Refinanzierung von Bau- und Ausbauprojekten bei. Die Landesbezirke haben fünf regionale Unternehmen gegründet, die für die Eintreibung der Mautgebühren verantwortlich sind – und damit die Anzahl von einst 60 Unternehmen stark reduziert. Die Regierungsbehörde Statens Vegvesen hat eine koordinierende Rolle, um eine einheitliche, effiziente und gut funktionierende Mauterhebung im ganzen Land sicherzustellen. Die Straßenprojekte von Nye Veier AS werden ebenfalls durch Mautzuschüsse finanziert.

Seit 2015 basieren ausgewählte Straßenprojekte auf einer öffentlich-privaten Zusammenarbeit (OPS). Das bedeutet, dass ein privates Unternehmen die Gesamtverantwortung für einen Straßenabschnitt für einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren trägt. Die Regierung untersucht derzeit den Mehrwert, den diese Form der Kooperation für vergleichbare Projekte haben kann.

Bislang wurden drei OPS-Projekte im Straßenverkehr angekündigt:

  • E10/RV 85 Tjeldsund – Gullesfjordbotn – Langvassbukt in Nordland und Troms
  • RV 3/RV 25 Ommangsvollen – Grundset / Basthjørnet in der Hedmark
  • RV 555 Sotrasambandet im Hordaland