Smart City

Was genau eine so genannte Smart City ist, dafür lässt sich derzeit noch keine konkrete Definition finden. In dem Weißbuch Digital agenda for Norge (dt.: Digitale Agenda für Norwegen) aus dem Jahr 2015 definieren norwegische Behörden diese als eine Stadt, in der mithilfe von Technologie ein besserer Ort zum Leben, Wohnen und Arbeiten geschaffen wird. Im Rahmen der Smart City-Initiative sollen öffentliche Dienste sowie die Lebensqualität der Stadtbewohner verbessert werden. Zentral für Smart Cities sind digitale Lösungen, die zur effektiveren und ressourcenschonenderen Organisation des Stadtlebens beitragen.

© F. Reimann, AHK Norwegen

Weil der Smart City-Markt neu und schwer zu definieren ist, gestaltet sich es sich ebenso schwer, dessen Größe abzuschätzen. Menon Economics schätzt, dass im Jahr 2015 etwa 425 Unternehmen in Norwegen Produkte und Dienstleistungen an der Schnittstelle oder in der Interaktion zwischen Unternehmen und der übrigen Gesellschaft lieferten, bei dessen Lösungen digitale Technologien Schlüsselkomponenten darstellen. Diese Unternehmen verteilen sich auf den intelligenten Transport (94 Unternehmen), intelligente Energie (79), intelligente Wohlfahrtsleistungen (74), intelligente Gebäude (66), intelligente Stadtplanung (57) und intelligente Ressourcennutzung (55). Der Gesamtumsatz der Unternehmen belief sich auf 87 Milliarden NOK (circa 9,1 Milliardeb Euro) im Jahr 2015.

Im Smart City-Segment bestimmen vor allem die Käufer die Geschwindigkeit der Stadtentwicklung. Sie berücksichtigen aktuell geltende Gesetze und Regulierungen. Das öffentliche Regelwerk ist deshalb ein wichtiger Treiber für die Entwicklung einer intelligenten Wirtschaft und smarter Städte.

Norwegische Smart City-Initiative

Die Umstellung hin zu einer intelligenten Wirtschaft und einer intelligenteren Gesellschaft sind derzeit eine Hauptpriorität norwegischer Behörden. Im Frühjahr 2017 gründete die Regierung deshalb einen eigenen Digitalisierungsausschuss, Digital 21, der beraten soll, wie die norwegische Gesellschaft bestmöglich digitalisiert werden kann. Die Regierung hat zudem eine Strategie zur Vereinfachung von Gesetzen veröffentlicht, damit neue, digitale Lösungen, die zu einer intelligenteren Stadtentwickung führen, in Betrieb genommen werden können. Zum Beispiel wurden die Gesetze für fahrerlose Fahrzeuge in 2017 vereinfacht, sodass norwegische Gemeinden und Städte bereits im Laufe des Jahres 2018 Pilotprojekte mit komplett fahrerlosen Bussen für den öffentlichen Verkehr durchführen können. Die Regierung und das norwegische Parlament sind sich bewusst, dass Behörden eine wichtige Vorreiterrolle bei Anschaffungen haben können und stellen zunehmend die Anforderung, dass bei öffentlichen Projekte und Anschaffungen Kriterien wie ökologische Nachhaltigkeit, Ressourceneffektivität und innovative Nutzung digitaler Technologie berücksichtigt werden.

Die meisten großen Städte in Norwegen haben bereits Smart City-Projekte initiiert. Norwegens unbestrittene Smart City-Hauptstadt ist Stavanger. Im Jahr 2016 wurde ein Maßnahmenplan verabschiedet, wie Stavanger zu einer intelligenten Stadt werden kann. Wie auch Manchester und Eindhoven nahm die Stadt an der Westküste Norwegens am Horizont 2020-Projekt Triangulum zur Entwicklung von intelligenten Lösungen für die nachhaltigen Städte der Zukunft teil. Nach Stavanger folgen auch Trondheim und Bodø mit ambitionierten Pilotprojekten, die sich nun in der Startphase befinden. Oslo und Bergen sind zudem weltweit als Hochburgen für Elektromobilität bekannt und bieten sich daher als Testmarkt für neue, intelligente Transportsysteme an.

Norwegens größtes Smart City-Projekt findet man in Bodø, einer mittelgroßen norwegischen Stadt mit 50.000 Einwohnern in der Region Nordland. Dort sind für den Bau des modernsten Flughafens der Welt fünf Milliarden NOK (circa 5,2 Millionen Euro) bewilligt worden. Der alte Flughafen soll sich in Norwegens intelligentestes Stadtviertel verwandeln, das auf rund 360 Hektar gebaut wird und ausreichend Platz für große Gewerbegebiete und 25.000 Einwohner bietet. Der neue Stadtteil wird von Grund auf neu errichtet – mit der klaren Vision, die smarteste Stadt der Welt zu bauen.

Kompetenz und Technologiebedarf

Viele Technologie-Cluster setzen verstärkt auf Smart City-Lösungen. Das wichtigste Cluster ist Arena Smart City, welches relevante Technologieunternehmen in Stavanger und Umgebung umfasst. Darüber hinaus haben NCE Media in Bergen und NCE Smart Energy Markets im Bezirk Østfold mehrere Mitgliedsunternehmen in diesem Segment. Außerdem haben sich in Oslo eine Vielzahl an Gründern und Inkubatoren etabliert, die sich auf eben diese Unternehmen spezialisiert haben, zum Beispiel Smart Oslo Accelerator.

Vielerorts wird grenzenübergreifende Forschung zu intelligenten Städten betrieben, oftmals sind die Forschungsprojekte eng mit den eigenen Strategien der Städte verknüpft. In Trondheim ist zum Beispiel die Universität NTNU mit ihrer Smart Sustainable Cities Group ein zentraler Partner bei der Entwicklung von Stadtprojekten, unter anderem in den Bereichen Nearly Zero Energy Neighborhoods und smarte Energie. Norwegens führendes Institut für angewandte Forschung, SINTEF, hat zudem eine Reihe von Forschungsprojekten in allen Marktsegmenten. Das gleiche gilt für die Universitäten in Oslo, Bergen und Stavanger sowie das IFE Institut für Energietechnik in Kjeller und in Halden. Weitere Forschungsinstitute für Smart City sind Uni Research und Høgskolen in Bergen sowie NIBIO in Ås.

Norwegische Städte sind sehr interessiert am Erfahrungsaustausch und der internationalen Zusammenarbeit mit anderen Städten, die Projekte für einen beschleunigten Übergang zu einer smarten Gesellschaft realisieren. Intelligente Städte brauchen intelligente Ideen – sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Das Interesse an guten Ideen und der Wille, intelligente Lösungen aus dem Ausland zu nutzen, ist daher groß.