Erneuerbare Energien

In Norwegen umfasst die Branche für erneuerbare Energien (EE) verschiedene Akteure, die Strom und Wärme aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser, Wind, Sonne und Biomasse erzeugen oder Produkte und Dienstleistungen für eben diese Akteure anbieten. Akteure für Stromnetze und im Strommarkt sind ebenfalls ein wichtiger Teil, obwohl diese nicht direkt mit der EE-Branche in engeren Sinne verbunden sind.

© Herr Rose, Wikimedia Commons

Erneuerbare Energien gehören zu den Wachstumsbranchen in Norwegen, denn sie sind der Schlüssel für die Umstellung Norwegens zu einer Niedrig-Karbon-Gesellschaft. Obwohl Norwegen Nettoexporteur von Elektrizität ist, wird die Elektrifizierung neuer Sektoren – wie des Transportsektors – und die Erhöhung der Übertragungskapazitäten ins Ausland in den kommenden Jahren zu einem anhaltenden Bedarf an erneuerbaren Energien führen. Energieunternehmen werden in Zukunft neue Technologien entwickeln und anwenden sowie große Investitionsentscheidungen treffen, die die Geschwindigkeit und Effizienz der bereits begonnenen Umstellungsphase stark beeinflussen werden. In ihrer Strategie für einen grünen Wettbewerb aus dem Jahr 2017 legt die norwegische Regierung einen starken Fokus auf die Bedeutung einer Infrastruktur für grüne Lösungen, die Entwicklung grüner Märkte (Verursacherprinzip) sowie die Notwendigkeit, in Norwegen ein anhaltendes Wachstum bei der rentablen Erzeugung erneuerbarer Energie zu ermöglichen.

Der norwegische Strommarkt wurde im Jahr 1991 dereguliert und ist sowohl marktorientiert als auch physisch eng mit den nordischen Stromsystemen verbunden. Der nordische Markt wird durch die Übertragung von Strom in die Niederlande, das Baltikum sowie nach Deutschland, Polen und Russland in Europa integriert.

Der Ausbau erneuerbarer Energien wird durch einen norwegisch-schwedischen Markt für Energiezertifikate gefördert, der über die Stromrechnungen der Verbraucher finanziert wird. Der Markt für grüne Zertifikate wird im Jahr 2020 auslaufen, aber die norwegischen Behörden haben signalisiert, dass sie die weitere Entwicklung erneuerbarer Energien mit anderen Fördermitteln sichern werden.

Marktentwicklung

2016 wurden 149,5 TWh in Norwegen produziert. Der Anteil aus erneuerbaren Energien belief sich auf 146,3 TWh, wovon wiederum 144 TWh Wasserenergie, 2,1 TWh Windenergie und 0,2 TWh thermische Energie aus Biokraftstoffen erzeugt wurden. Die Energieerzeugung aus fossilen Energiequellen lag bei 3,2 TWh. Damit ist die norwegische Stromerzeugung weitgehend erneuerbar (98 Prozent im Jahr 2016). Die norwegische EE-Branche besteht aus 1 700 Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 70 Milliarden NOK. Sie setzt sich zusammen aus Unternehmen, die in den Bereichen Stromerzeugung, Netz und Strommarkt aktiv sind, sowie aus verschiedenen Zulieferern. 2013 betrug die Wertschöpfung der Branche etwa ein Drittel der Wertschöpfung der gesamten Festland-Industrie.

Ein Trend im norwegischen Energiesystem ist, dass die Stromnachfrage seit 1990 stetig gestiegen ist. Die wichtigste Maßnahme zur Deckung des steigenden Strombedarfs und zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit sind Investitionen in das Stromnetz. Diese sind seit 2010 von rund 6,5 Milliarden NOK auf rund 15,5 Milliarden NOK (2016) erheblich angestiegen. Auch in den nächsten zehn Jahren werden erhebliche Investitionen erwartet, vor allem durch den Bau von Verbindungen zur Stromüberführung und Austauschprozessen im Übertragungs- und Verteilungsnetz.

Wie sich das Energiesystem bis ins Jahr 2030 entwickelt, hängt im Wesentlichen von der Entwicklung 1) der Klimapolitik, 2) der Digitalisierung und Technologie sowie 3) des Markts und den Kundenanforderungen ab. Die größten Barrieren, die ein künftiges Wachstum der norwegischen EE-Industrie behindern können, sind strukturelle Faktoren (wie die Branchenstruktur), Marktdesign und steuerliche Rahmenbedingungen.

Die fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen der Gesellschaft wirkt sich auch auf die Struktur des norwegischen EE-Sektors aus. Die heutigen großen Wasserkraftproduzenten, die größtenteils norwegischen Gemeinden gehören, stehen vor der Herausforderung, dass neue Technologien (Solar- und Speichertechnologien) eine dezentralisierte Energieerzeugung ermöglichen und gleichzeitig neue digitale Lösungen für die Überwachung und Steuerung der Energieerzeugung und -nutzung in der Industrie und im Verbrauchermarkt entstehen. Die Digitalisierung in der EE-Branche trägt nicht nur zum Entstehen neuer technologischer Lösungen wie Smart Grids und Smart Meter bei, sondern auch zu neuen Geschäftsmodellen, die in den letzten Jahren zu einer vielfältigeren Branchenstruktur und nicht zuletzt einem neuen Dienstleistungsangebot geführt haben.

Wasserenergie

Die norwegische Wasserkraft hat eine jährliche Wertschöpfung von rund 70 Milliarden NOK und macht 96 Prozent der Stromerzeugung des Landes aus. Norwegen hat landesweit rund 1 500 Wasserkraftwerke. Fast die Hälfte der Produktionskapazität wurde vor 1970 gebaut und nähert sich der technischen Lebenserwartung. Für die Sanierung bestehender Kraftwerke werden bis 2050 110 Milliarden NOK benötigt.

Am 1. Januar 2017 hatte die norwegische Stromversorgung eine installierte Leistung von 33 200 MW und eine normale Jahresproduktion von 139 TWh. Ein Merkmal der norwegischen Wasserkraft ist die Möglichkeit zur Energiespeicherung. Norwegen verfügt über die Hälfte der europäischen Magazinkapazität und über 75 Prozent der norwegischen Produktionskapazität sind regulierbar. Die Magazinkraftwerke haben eine hohe Flexibilität und die Produktion kann bei Bedarf schnell und kostengünstig angepasst werden.

Norwegen befindet sich in einer Zeit, in der mehr erneuerbare Energie erzeugt wird als in 25 Jahren. Anfang 2017 waren 1,7 TWh neue Wasserkraft im Bau und weitere 5,5 TWh von der norwegischen Aufsichtsbehörde NVE genehmigt. Darüber hinaus entscheidet NVE bei der Bearbeitung aktueller Anträge über weitere 6,6 TWh.

Windenergie

Im Jahr 2016 wurden 2,1 TWh Windenergie in Norwegen produziert. Die installierte Gesamtleistung betrug 873 MW, verteilt auf 374 Windturbinen. 2016 machte Windenergie in Norwegen 1,4 Prozent der gesamten Stromproduktion aus – in einem Jahr, in dem die norwegische Stromproduktion mit 149,5 TWh ihr bislang höchstes Niveau erreichte. Ende 2017 betrug die installierte Gesamtleistung in norwegischen Windkraftanlagen circa 1 400 MW.

Offshore-Windenergie hat in Norwegen ein großes Potenzial, insbesondere im Zusammenhang mit schwimmenden Offshore-Windparks. Das staatliche Unternehmen Statoil bereits Erfahrungen beim Ausbau des weltweit ersten schwimmenden Windparks vor der Küste Schottlands gesammelt. Im Herbst 2017 schlug die norwegische Regierung vor, ein bis zwei Gebiete für schwimmende Offshore-Windenergie in norwegischen Gewässern zu öffnen.

Bioenergie und Fernwärme

Bioenergie ist in Norwegen weitgehend mit der Deckung des Wärmebedarfs verbunden, insbesondere in der Landwirtschaft. Im Jahr 2013 verzeichnete die Bioenergieentwicklung landesweit ein Umsatzplus von 1,9 Milliarden NOK. Die staatliche Förderinitiative Innovation Norway unterstützt Investitionen für den Einsatz von Bioenergie in der Landwirtschaft und will Landwirte dazu ermutigen, Bioenergie in Form von Wärme, Treibstoff und sonstiger Energie zu produzieren, zu nutzen und zu liefern.

Biogas und Biokraftstoffe werden bereits genutzt, die Produktion fortschrittlicher Biokraftstoffe ist jedoch noch in der Entwicklung. Es wird geschätzt, dass Norwegen bis 2030 die Produktion von mindestens 6 TWh Biotreibstoff und 3 TWh Biogas erreicht.

Bioenergie wird auch vermehrt zum Heizen in privaten Haushalten durch Fernwärme genutzt. Die Gesamtmenge der Fernwärme, die 2016 an die Verbraucher geliefert wurde, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 8,6 Prozent auf rekordhohe 5 200 GWh. Mittlerweile gibt es mehr als 100 Lieferanten für Fernwärme, verglichen mit etwas mehr als 20 Akteuren zur Jahrtausendwende. Die Gesamtlänge des Fernwärmenetzes betrug im Jahr 2016 ungefähr 1 900 km und ist damit doppelt so lang wie im Jahr 2008. Heute ist Fernwärme in 90 Prozent der größten Städte und 60 Prozent aller norwegischen Städte etabliert. Die Fernwärmeerzeugung hat in den letzten Jahren stark zugenommen – eine Entwicklung, die von den Mindestanforderungen für erneuerbare Wärme in den technischen Bauvorschriften (TEK 2007, TEK 2010), angetrieben wurde.

Der größte prozentuale Anstieg von 2015 zu 2016 erfolgte in Haushalten mit einem Plus von fast 30 Prozent. Während die energieintensive Industrie durch Abwärme weitgehend selbstversorgend ist, wird in anderen Industriezweigen immer noch ein hoher Anteil an Öl, Gas und Strom für Heizung und Produktion eingesetzt. Die meisten Ölheizungen in der Industrie laufen nun aus und werden größtenteils durch Gas oder erneuerbare Energien ersetzt. Mit 58 Prozent ist die Dienstleistungsbranche der mit Abstand größte Verbraucher von Fernwärme.

Im Jahr 2015 wurden knapp 1,5 Milliarden NOK in Fernwärme investiert. Nach einigen Jahren großer Investitionen wird in den kommenden mit dem Ausbau bestehender Anlagen statt mit großen Neuanlagen gerechnet.

Solarenergie

Norwegens Position in der Solarzellenindustrie begründet sich besonders durch einen guten industriellen Ausgangspunkt bei der Herstellung von Silizium und andere metallurgischen Industrien. Wettbewerbsfähige Strompreise, hohe Kompetenz und automatisierte Prozesse sorgen für energie- und kapitalintensive Unternehmen, die unter anderem Silizium produzieren. Norwegen ist zu einem wichtigen Akteur in dieser Branche geworden.

Der Markt für Solarzellenanlagen in Norwegen war jedoch bis vor kurzem kaum existent. In den letzten beiden Jahren hat die Nachfrage jedoch stark zugenommen und 2016 wurden insgesamt mehr als 11 MWp Solarzellen in Norwegen installiert. Dies entspricht einem Wachstum von 366 Prozent im Vergleich zu 2015. Den Hauptanteil des Gesamtmarktvolumens machen netzgekoppelte Solaranlagen aus, während nicht-netzgekoppelte Anlagen einem Marktanteil von etwa zehn Prozent entsprechen. Die kumulierte Stromkapazität ist gegenüber 2015 um 75 Prozent gestiegen und beträgt Ende 2016 fast 27 MWp.

Die meisten Technologien zur Erzeugung von Solarenergie werden aus dem Ausland importiert. Mit einem zunehmend wachsenden Markt für Solaranlagen steigt jedoch auch die Vielzahl und Bandbreite der mit dieser Branche verbundenen Unternehmen im Inland. Das Cluster für Solaranergie in Lillestrøm bringt große Industrieunternehmen wie Elkem und Scatec Solar mit weniger etablierten und kleineren Technologieunternehmen zusammen, um den jungen Markt für Solarenergie in Norwegen weiterzuentwickeln.