Energieeffizienz

Energieeffizienz meint den geringeren Energieverbrauch für gleiche Dienstleistungen

© pxhere.com

Wenn in Norwegen von Energieeffizienz die Rede ist, wird oftmals zwischen drei Sektoren unterschieden, in denen Energieeffizienz eine Rolle spielt: Baumasse (Haushalte und gewerbliche Gebäude), Industrie und Verkehr. Im Gebäudebereich wird Energieeffizienz entweder durch eine verbesserte Energieleistung des Baukörpers, durch intelligente Systeme zur Überwachung und Steuerung des Energieverbrauchs im Gebäude oder durch die Lieferung von selbst produzierter Energie (Wärme oder Elektrizität) aus der Umgebung erreicht. Der Anteil erneuerbarer Energie am norwegischen Energieverbrauch wuchs von 58 Prozent in 2004 auf 69 Prozent in 2014. Somit hat Norwegen zusammen mit Island die höchste Rate an erneuerbarer Energie in Europa; die Regierung plant, diesen Anteil weiter auszuweiten. Der hohe Anteil erneuerbarer Energie im Energieverbrauch kommt daher, dass die norwegische Bauwirtschaft und Industrie weitgehend mit Elektrizität aus Wasserkraft versorgt wird. Fast die komplette Stromproduktion des Landes basiert auf Wasserkraft und ist somit vollständig erneuerbar. Aufgrund der großen Menge an erneuerbarer Energie in norwegischen Strommix, trägt Energieeffizienz in der Bauindustrie in geringem Maße zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bei, als in Ländern, in denen die Energieversorgung vermehrt auf Kohlekraft oder anderen fossilen Brennstoffen beruht. Energieeffizienz spielt jedoch eine wichtige Rolle in dem Sinne, dass energieeffiziente Baustoffe dazu beitragen können, einen "energieflexibleren" Wärmemarkt zu etablieren, der wiederum die Energieunabhängigkeit des Landes erhöhen kann.

Die eingesparte Energie aus dem Gebäudebau kann außerdem in anderen Sektoren genutzt werden. Zurzeit findet in Norwegen eine große Elektrifizierung statt: Es wurde beschlossen, dass das große Ölfeld Johan Sverdrup vom Land aus mit Strom versorgt werden soll. Im Verkehrssektor lag der Elektrizitätsanteil bei neu gekauften Pkw (einschließlich Hybriden) im Jahr 2017 bei 52 Prozent. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Verkauf von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Fahrzeugen bis 2025 auslaufen zu lassen. Auch im maritimen Sektor hat die Elektrifizierung in den letzten Jahren zugenommen: Es werden derzeit mehrere Projekte für die Elektrifizierung von Schnellbooten, Fischerbooten und Fähren durchgeführt.

Vor diesem Hintergrund haben die norwegischen Behörden seit dem Jahr 2000 verschiedene Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz zur Verfügung gestellt. So wurden unter anderem wiederholt die Anforderungen an neue und renovierte Gebäude durch Bauverordnungen (TEK) verstärkt und eine verstärkte Nutzung von erneuerbaren Heizlösungen (ohne Strom) gefordert. Bis ins Jahr 2030 hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, die Energieintensität so stark zu verbessern wie in den vergangenen 15 Jahren, also um 30 Prozent verglichen mit 2015. In bestehenden Gebäuden sollen bis zum Jahr 2030 zehn TWh eingespart werden.

Zentrale Treiber für Energieeffizienz bei Baumaterialien sind vor allem technische Bauvorschriften und die staatliche Investitionsförderung für Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sowie die Erprobung neuer innovativer Technologien durch die unterstützenden Organe ENOVA und Innovation Norway, aber auch Zertifizierungssysteme wie BREEAM und die Energiekennzeichnungsverordnung Energy Labelling Scheme tragen zur erhöhten Aufmerksamkeit für dieses Thema bei. Darüber hinaus muss Norwegen im Rahmen des EWR-Abkommens die EU-Rechtsvorschriften für Energieeffizienz einhalten.

Energieverbrauch

Norwegens Primärenergieverbrauch lag im Jahr 2015 bei 213 TW. Der Nettoenergieverbrauch wird in drei Gruppierungen eingeteilt: Industrie (32 Prozent), Transport (27 Prozent) und andere Sektoren (41 Prozent; hiervon 87 Prozent für den Energieverbrauch von Haushalten und Dienstleistungsunternehmen).

In der norwegischen Festlandindustrie werden hauptsächlich Elektrizität (58 Prozent) und Gas (21 Prozent) zur Beheizung genutzt. Biomasse und Abfall, Fernwärme und Dampf sowie fossile Brennstoffe haben jedoch auch geringe Marktanteile.

Auf den Bausektor entfallen in Norwegen rund 40 Prozent des nationalen Netto-Energieverbrauchs. In Gewerbebauten beträgt der Stromanteil ungefähr zwei Drittel, während er in privaten Haushalten bei 73 Prozent liegt. Neben Elektrizität werden zur Beheizung auch Öl, Gas und Biomasse genutzt, in geringerem Umfang auch Geothermie, Umgebungswärme (Umweltwärme) und Solarenergie. Diese Wärme wird durch das Fernwärmenetz distribuiert oder direkt am Produktionsort zur Beheizung von Gebäuden oder Wasser genutzt. Das Fernwärmenetz ist in 90 Prozent aller städtischen Gebiete ausgebaut. Energiequellen für Fernwärme sind Bioenergie (circa 20 Prozent im Jahr 2015), Umgebungswärme (circa 10 Prozent), wiedergewonnene Wärme (53,5 Prozent), flexibler Strom (12,3 Prozent), Öl (1,1 Prozent) und Gas (3,2 Prozent).

Der Gesamtenergieverbrauch für den inländischen Verkehr, einschließlich Maschinen, betrug etwa 69 TWh im Jahr 2015. Das ist ein Anstieg von 39 Prozent seit 1990. Darüber hinaus wurden im Jahr 2015 neun TWh Energie für den internationalen See- und Luftverkehr eingesetzt. Der Straßenverkehr hat am stärksten zum Anstieg des Energieverbrauchs beigetragen, aber der Luftverkehr wächst am schnellsten.

Marktentwicklung

Fernwärme wird staatlich reguliert mit einer bestehenden Anschlusspflicht für an das Fernwärmenetz angrenzende Verbraucher und einer Preisobergrenze, die beinhaltet, dass die Wärmepreise nicht die Strompreise übersteigen. Die Anschlusspflicht bedeutet nicht, dass der Kunde von der Fernwärme Gebrauch machen muss. Nach der letzten Änderung der technischen Bauregeln (TEK) müssen jedoch Gebäude über 1.000 Quadratmetern mindestens 60 Prozent ihres Wärmebedarfs durch eine Alternative zur herkömmlichen Elektrobeheizung decken können – dies bedeutet in den meisten Fällen den Gebrauch von Warmwasserheizungen.

In Norwegen gibt es knapp 20.000 Ölkessel in gewerblichen Gebäuden. Die installierte Leistung von Ölkesseln in der Industrie beträgt circa 0,6 GW. All diese werden nun abgeschafft. Ab 2020 wird auch das fossile Beheizen mit Öl verboten. Weiterhin wird an einem Verbot für die Befeuerung mit Gas gearbeitet.

Seit 2013 wurden über 200 Gebäude mit BREEAM klassifiziert. Fast alle Bürogebäude, die in Oslo und Akershus geplant oder gebaut wurden, werden klassifiziert. In wenigen Jahren hat BREEAM-Nor 70 Prozent des Marktes für Neubauten im Bürobereich und fast 100 Prozent für alle geplanten Projekte gewonnen. Der Anteil steigt auch in Stavanger, Bergen und Trondheim. Gebäude mit hohem BREEAM-Charakter haben in der Regel eine eigene Energieproduktion und ihre Stromproduktion aus Solarzellen ist besonders in Kombination mit Wärme aus Wärmepumpen besonders hoch.

Da die aktuellen Bauvorschriften sehr hohe Anforderungen an die Dichte des Baukörpers und damit an die Wärmeabgabe stellen, hat der Bedarf an erneuerbaren und energieeffizienten Kühllösungen in den letzten Jahren stark zugenommen. Die produzierte Kühlleistung ist von knapp über 40 GWh im Jahr 2003 auf rund 170 GWh im Jahr 2015 gestiegen und nimmt weiter zu. Insbesondere wird eine Zunahme der Fernkühlung, der sogenannten sorptiven Kühlung, erwartet. Das Potenzial für Fernkühlung mit dem Fernwärmenetz kann allein in Oslo innerhalb von zehn Jahren 60 GWh erreichen.

Norwegen gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Wärmepumpen im Gebäudebestand. Der Markt für Wärmepumpen wird stark von politischen Instrumenten zur Unterstützung von energieeffizienten und erneuerbaren Heizlösungen beeinflusst. Im Jahr 2015 waren über 900.000 Wärmepumpen mit einer Produktion von 8,5 TWh in Norwegen installiert. Die norwegische Wasser- und Energiebehörde NVE schätzt, dass die Produktion bis 2030 18 bis 20 TWh erreichen kann, während das wirtschaftliche Potenzial bei acht TWh liegt. Am häufigsten nachgefragt sind Luft-Wasser-Wärmepumpen und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Das Verbot für fossile Heizquellen ab 2020 verspricht ein weiteres Wachstum für den Wärmepumpenmarkt in den kommenden Jahren.

Ein Großteil des Energieeffizienzpotenzials wurde in der norwegischen energieintensiven Industrie bereits genutzt. Das Recycling von Abwärme ist hier normal. Wenn dieser Sektor eine weitere Energieeffizienz erreichen soll, ist er auf die Entwicklung und Anwendung neuer und bahnbrechender Technologien angewiesen.

Der Transportsektor wird in Norwegen derzeit revolutioniert und in hohem Tempo elektrifiziert. Besonders signifikant war das starke Wachstum der Anzahl an Elektroautos auf norwegischen Straßen in den vergangenen Jahren. Im Februar 2017 waren erstmals 100.000 Elektroautos registriert, was einen Anstieg von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Inzwischen machen Elektroautos etwa fünf Prozent des Gesamtaufkommens an Kraftfahrzeugen aus. Bis 2022 wird geschätzt, dass 50 Prozent aller norwegischen Fähren elektrisch sein werden. Norwegen testet außerdem bereits LNG-, Wasserstoff- und Hybridtechnologie in größeren Schiffen. Etwa die Hälfte aller LNG-Schiffe der Welt stammen aus Norwegen.

Baubranche

Nach Schätzungen sollen bis zum Jahr 2030 bis zu 98 Millionen Quadratmeter neue Baumasse entstehen. Der zunehmende Wohnungsbau führte 2016 zu einem starken Wachstum der Bautätigkeit und diese Entwicklung setzte sich 2017 fort. Die Baubranche wuchs um 6,8 Prozent im Jahr 2017. Der Bau von Neubauten stieg um zehn Prozent in 2017, bevor dieser nach Prognosen 2018 abflacht und danach im Jahr 2019 um 2,4 Prozent zurückgeht. Der Wert von Mitarbeitern für Rehabilitation, Umbau und Anbau von Gebäuden (ROT) wächst 2017 um 2,7 Prozent und in den darauffolgenden Jahren um zwei Prozent pro Jahr. Die Prognosen für die gesamte Bautätigkeit zeigen für 2018 ein Wachstum von 3,6 Prozent und für 2019 von 2,6 Prozent.

Der Markt für neue Geschäftsgebäude belief sich 2016 auf 76,8 Milliarden NOK (7,9 Milliarden Euro). Das Wachstum im Jahr 2017 lag bei ungefähr 5,7 Prozent. Das Wachstum soll in den Jahren 2018 und 2019 um jeweils 2,3 Prozent steigen. In den letzten zehn Jahren haben die Investitionen stark zugenommen und werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Bis 2016 hatte die Baubranche eine Größenordnung von 118,1 Milliarden NOK (122 Milliarden Euro). In den Jahren 2018 und 2019 wird ein Wachstum von 9,2 Prozent beziehungsweise 9,3 Prozent erwartet.