Aquakultur

Die norwegische Aquakultur ist eine Branche mit großem Wachstumspotential

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Mehr als die Hälfte der weltweit gezüchteten Lachse wird in Norwegen produziert. Im Jahr 2016 wurden 1,3 Millionen Tonnen Speisefisch produziert; dies entspricht einem Wert von etwa 64 Milliarden NOK (6,6 Milliarden Euro) oder einer Wertsteigerung von circa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die norwegische Aquakultur ist hauptsächlich durch die Zucht von Lachs (1,3 Millionen Tonnen in 2016), aber auch einem bedeutenden Anteil an Forellen geprägt (88.000 Tonnen). Darüber hinaus werden Schalentiere (2.200 Tonnen), Heilbutt (1.400 Tonnen) und Saibling (300 Tonnen) produziert. Die norwegischen Behörden und die Fischindustrie schätzen, dass das gesamte Wertschöpfungspotential der Branche bis ins Jahr 2050 bis zu 550 Milliarden NOK (56,9 Milliarden Euro) erreichen kann. Voraussetzung dafür ist jedoch der Einsatz neuer Anbautechnologien und Ausrichtung der zukünftigen Produktion auf nachhaltige Prinzipien. Technologien aus dem Bereich Industrie 4.0 wie künstliche Intelligenz oder Big Data sind bei diesem Umstellungsprozess besonders wichtig.

Marktstruktur und -entwicklung

Fisch wird entlang der gesamten norwegischen Küste produziert, aber die Regionen Nordland in Nordnorwegen und Hordaland in Westnorwegen sind die größten Bezirke mit einem Umsatz von 12,4 und 10,7 Milliarden NOK (11 Milliarden Euro) im Jahr 2016. 151 Unternehmen besitzen kommerzielle Lizenzen für Lachs- und Forellenzucht in Norwegen. Da jedoch einige dieser Lizenzen von anderen Unternehmen kontrolliert werden, liegt die Anzahl an Lachsproduzenten tatsächlich bei 98 Akteuren. Bergen ist das natürliche Zentrum für große Teile der norwegischen sowie der internationalen Fischindustrie. Dort hat der weltweit größte Fischzüchter Marine Harvest seinen Hauptsitz, ebenso wie der weltweit viertgrößte Produzent Lerøy Seafood Group und Norwegens fünftgrößter Produzent Grieg Seafood. Seit 2012 verzeichnet die Industrie einen Rückgang in der gesamten Produktion von Lachs, die Preise sind dagegen seit 2012 jedes Jahr gestiegen. Dennoch wurde die höchste Profitabilität bereits im Jahr 2013 erreicht, vor allem aufgrund des hohen Kostenniveaus für die Bekämpfung von Lachsläusen, aber auch teilweise wegen der gestiegenen Futterkosten.

Auf Beschluss der norwegischen Regierung kann die Produktion nur wachsen, wenn die Fischzüchter die Kontrolle über Lachsläuse und Flöhe haben. Ende 2017 wurde ein neues Ampelsystem eingeführt, um zu regulieren, wo ein weiteres Produktionswachstum möglich ist. Das neue System bietet eine Gesamtproduktionskapazität von beinahe 24.000 Tonnen in 2018. Wenn die Fischindustrie die Nachhaltigkeitsziele der Behörden erfüllt, kann die Lachsproduktion jedes zweite Jahr um 6 Prozent steigen.

Kompetenz und Technologiebedarf

In Norwegen findet sich ein großer Teil der Forschungskompetenz für Aquakultur. Einige Technologien werden in Trondheim entwickelt, wo SINTEF, Norwegens führendes Institut für angewandte Forschung, seinen Hauptsitz hat. SINTEF Ocean betreibt Exposed Aquaculture Operations, ein Zentrum für forschungsbasierte Innovation, welches Akteure aus Industrie und Forschung zusammenbringt, die zur Entwicklung der Aquakultur in gefährdeten Küsten- und Meeresgebieten mit starkem Wind, hohem Wellengang und Strömungen beitragen können. Einige der wichtigsten Wissenseinrichtungen befinden sich in Bergen, unter anderem das Meeresforschungsinstitut, NIFES – Nationale Institut für Ernährungs- und Seafood-Forschung, das Technologie-Cluster NCE Seafood und die Universität Bergen.

Obwohl Norwegen viel Know-how über Aquakultur besitzt, wird die Industrie in den kommenden Jahren vom Einsatz neuer Technologien abhängig sein, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit zu lösen und die Voraussetzungen für ein erhöhtes Produktionswachstum zu erfüllen. Industrie 4.0 wird in dieser Hinsicht von großer Bedeutung sein; die norwegische Fischindustrie wird von den Erfahrungen und vom Input außenstehender Wissenszentren und Unternehmen abhängig sein, um die Vorteile der Digitalisierung und Automatisierung vollständig ausnutzen zu können.